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Monatspredigt April

Predigt vom 28. April, Pfr. Gerd Sundermann

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Liebe Gemeinde,
das Osterfest selber ist zwar vorbei, aber wir befinden uns weiterhin mitten im Osterfestkreis. Dazu gehören alle Sonntage nach Ostern bis zum Pfingstfest. Wir dürfen also durchaus das Hauptthema von Ostern und den Kern der Osterbotschaft weiter aufnehmen. Und das ist Auferstehung und neues Leben. Dazu gibt es einige wunderbare Texte im Neuen Testament. Einer davon findet sich im Markusevangelium im letzten Kapitel.

Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und Jesus zu salben. Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. Und sie berieten sich untereinander und fragten: Wer wälzt uns den Stein weg vor der Tür des Grabes? Und sie sahen hin und bemerkten, dass der Stein schon weggewälzt war. Er war sehr gross. Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen jungen Mann rechts sitzen, der hatte ein langes weisses Gewand an. Die Frauen bekamen Angst. Er aber sprach sie an und sagte zu ihnen: Habt keine Angst! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden. Er ist nicht hier. Schaut, da ist der Ort, wo sie ihn hingelegt haben. Geht und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingehen wird nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen.

Er ist auferstanden. Nur drei Worte. Aber entscheidend. Diese drei Worte sagt der junge Mann zu den Frauen am Grab. Wer ist er überhaupt? Ein Engel? Woher kommt er? Und wie kommt er dahin? Was hat er überhaupt damit zu tun? Und dann das leere Grab. Wie soll man das verstehen? Wie soll man so etwas glauben? Ein leeres Grab? Ich bin jetzt über zwei Jahrzehnte in meinem Beruf und habe viele Menschen beerdigt und Trauernde begleitet auf dem Weg des Abschieds. Ein leeres Grab nach einer Beisetzung aber ist mir nie begegnet. Ein solcher Vorgang ist physikalisch und biochemisch auch ganz unmöglich. Noch nie ist ein Mensch, der gestorben ist und tot war, auf dieser Welt hier wieder lebendig geworden. Nach drei Tagen im Grab. Und wir dürfen doch davon ausgehen, dass Jesus körperlich genauso funktioniert hat wie alle Menschen vor und nach ihm. Drei Tage lang kein Atemzug. Keine Hirnströme. Kein Herzschlag. Und dann wieder umherlaufen und sprechen? Wir kommen, liebe Gemeinde, nicht zum Kern, nicht zur eigentlichen Botschaft dieser wunderbaren Erzählung im Markusevangelium, wenn wir dem Bericht vom leeren Grab als einer konkreten Tatsache oder als einem geschichtlichen Faktum Glauben schenken. Wir finden die Wahrheit, wenn wir diese Geschichte symbolisch deuten, so wie im Grunde alle anderen Erzählungen auch. Schauen wir also einmal genauer hin und gehen mit den Frauen ein Stück Weg mit. Mit einem Fläschchen gut riechendem Balsam machen sie sich auf, um am Leichnam Jesu einen letzten Liebesdienst zu vollziehen. Was mag in ihnen vorgegangen sein auf dem Weg dahin? Miteinander gesprochen haben sie. Zurück geschaut auf die letzten Tage haben sie. Zwei von ihnen, Maria aus Magdala und Maria die Mutter des Jakobus, waren bei Jesus unter dem Kreuz. Sie waren dabei, als er starb, als alle anderen schon längst Reissaus genommen hatten. Die Frauen werden auf dem Weg zum Grab das miteinander geteilt haben, was sie jede für sich mit Jesus erlebt haben aus der Zeit, als sie mit ihm zusammen waren. Und das wird nicht wenig gewesen sein. Wie er Menschen, die am Boden waren, wieder aufgerichtet hat, die krank und elend waren an Körper und Seele wieder heil gemacht hat, die ausgeschlossen waren wieder die Tür zur Gemeinschaft aufgetan hat, wie er ihnen von einem Gott erzählt hat, der die Menschen liebt, und mit ihnen in der Predigt auf dem Berg von einer Welt geträumt hat, in der Frieden und Gerechtigkeit, Verständnis und Menschlichkeit eben keine Utopien sind. Ich staune immer wieder. Es muss Jesus von Nazaret gelungen sein, ein Vertrauen in den Herzen der Menschen zu pflanzen, das ihnen sagt und sie spüren lässt: Du bist von Gott gemeint. Du bist von Gott gewollt. Du bist von Gott gewünscht. Dein Leben ist Gott so wertvoll, dass es auch der Tod nicht zerstören kann. Das, was dich ausmacht in deiner Substanz, in deinem innersten Kern, in deiner Wahrheit, in deiner Liebe, das bleibt erhalten über den Tod hinaus. Für diese Botschaft hat Jesus gelebt. Für diese Botschaft war er bereit, sein Leben zu geben. Er hat in uns Menschen allererst ein Vertrauen möglich gemacht, das uns sagt: Du bist gehalten und geborgen in einem liebenden Bewusstsein im Hintergrund des ganzen Universums.
Und er hat dieses Vertrauen auch selber vorgelebt. Jesus wäre nicht den Weg am Karfreitag ans Kreuz gegangen, ohne ein solches tiefes Vertrauen zu Gott. Keinen Meter. Er hätte, wenn er gewollt hätte, sich problemlos vorher absetzen können. Er hätte den Weg zum Kreuz nicht machen müssen. Ohne Schwierigkeiten hätte er fliehen können. Vom Landgut Getsemane aus sind es nur wenige Minuten bis zum Gipfel des Ölbergs, und dort winkte die Freiheit – mühelos hätte Jesus in die Täler des Berglandes von Judäa entkommen können. Niemand hätte ihn dort gefunden. Viele Könige vor ihm sind schon auf diesem Weg geflohen. Aber er macht dies nicht: sich verstecken, ausweichen, untertauchen. Denn er wollte, dass wir Menschen so wie er unseren Glauben und unser Vertrauen gegen alle Angst auf Gott richten. Jesus hat uns nicht nur auf seinem Weg zum Kreuz, sondern durch sein ganzes Leben zeigen wollen, dass wir vertrauen können, darauf vertrauen können, dass wir bei Gott gegen alle Widrigkeiten dieser Welt unbedingt, das heisst ohne jede Bedingung geborgen und gehalten sind. Dass wir spüren und verstehen, dass wir unser Leben leben und unseren Tod sterben in einer letzten Unbedrohtheit. Einzig und allein um dieses Vertrauen ging es dem Mann aus Nazaret. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Frauen auf ihrem Weg zum Grab genau das in ihren Herzen bewegt hat. Sie haben ihre Zeit mit Jesus auf dem Weg Revue passieren lassen. Und da! Jetzt beginnt schon Entscheidendes. Es geht nicht nur die Sonne auf am Horizont, wie es der Text schildert, sondern jetzt geht auch die Sonne auf in den Herzen der Frauen. Und von ihren Herzen fallen die Steine! Die Steine der Ungewissheit, der Trauer, des Zweifels und der Angst. Es wird ihnen auf einmal leicht ums Herz. Am Grab angekommen vernehmen sie die Botschaft: Jesus ist auferstanden. Er ist nicht hier! Oder als Frage formuliert könnte man sagen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Dabei ist es ganz belanglos, ob das Grab tatsächlich leer war oder nicht. Er ist auferstanden. Er ist nicht hier! In meinem persönlichen Leben, liebe Gemeinde, hat dieser Text und gerade dieses Wort entscheidende Bedeutung erlangt. Vor drei Jahren starb meine Mutter. Ich habe sie auf ihrem letzten Weg – symbolisch – begleitet, indem ich die Urne mit der Asche zum Grab getragen habe. Die meisten unter Ihnen kennen diesen Weg und sind ihn selber schon gegangen. Ich war seitdem nie wieder am Grab meiner Mutter. Ich habe mich dafür entschieden, diesen Weg nur einmal zu gehen. Nicht zweimal. Nicht zehnmal. Nicht hundertmal. Die Botschaft, die die drei Frauen am Ostermorgen vernehmen: Er ist auferstanden. Er ist nicht hier! gilt doch gleichermassen auch für uns. Wir finden die Lebenden nicht bei den Toten, nicht auf Friedhöfen und in Gräbern. Wie Jesus zu glauben und mit Jesus zu glauben, das bedeutet am Grab zu stehen vom Vater oder der Mutter, vom Partner oder der Partnerin, vom Freund oder der Freundin und darauf zu vertrauen, dass dieser Mensch sein Leben erhält und behält bei Gott in Ewigkeit. Wir – jede/r einzelne von uns – wir sind doch von der Auferstehung Jesu umfangen. An anderer Stelle im Johannesevangelium sagt er: Euer Herz erschrecke nicht! Und dann: Glaubt an Gott und glaubt an mich. Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen. Wäre es nicht so, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um euch die Stätte zu bereiten? Ich werde euch zu mir holen, damit ihr dort seid, wo ich bin. Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Mit diesem Vertrauen leben, liebe Gemeinde! Wenn uns das gelänge. Augenblicklich ging in uns die Sonne auf und es fielen Steine von unseren Herzen und wir könnten die Gräber leer sehen. Dort gibt es für uns nichts zu suchen und nichts zu finden ausser Erde und Asche. Und so schickt der junge Mann am Grab Jesu die drei Frauen ja auch weg. Weg vom Grab und weg aus Jerusalem. Wieder zurück nach Galiläa sollen sie gehen. Also dahin, wo Jesus mit ihnen gelebt, geliebt, gesprochen hat. Da wo sie mit ihm zusammen waren, dort werden sie ihm weiterhin nahe sein, dem Lebendigen, dem Auferstandenen. Der Tod ist nicht das letzte Wort Gottes an uns Menschen, der Tod ist kein Schlusspunkt, sondern ein Doppelpunkt. Jetzt kommt noch etwas. Etwas Entscheidendes. Das ist in dem Augenblick klar für die drei Frauen am Grab Jesu früh am Morgen, als die Sonne aufgeht. Und die Sonne geht auf an diesem Ostermorgen für uns alle. Aus dieser Erkenntnis heraus und in einem solchen Vertrauen dichtete einst Eduard Mörike folgende kurze Zeilen. Damit möchte ich für dieses Mal schliessen:
In Ihm sei`s begonnen,
Der Monde und Sonnen
An blauen Gezelten
Des Himmels bewegt!
Du, Vater, du rate!
Lenke du und wende!
Herr, dir in die Hände
Sei Anfang und Ende,
Sei alles gelegt!